Interview mit Alfred „Fred“ Jaklitsch von den Seern

Interview mit Alfred „Fred“ Jaklitsch von den Seern

Interview mit Alfred "Fred" Jaklitsch von den Seern

Alfred „Fred“ Jakltisch, Foto: Kerstin Joensson

Wir von www.volksmusiknews.at haben dem Sänger und Frontman von der derzeit wohl erfolgreichsten Band in Österreich ein paar Fragen gestellt. Was erwartet uns bei der heurigen Jubiläumstour, was sind die schönsten Erinnerungen der letzten Jahre, ist Fred noch nervös wenn er auf die Bühne geht, was macht eine gute Band aus und wohin entwickeln sich die Seer in Zukunft?
Fred ist uns keine Antwort schuldig geblieben und hat offen mit uns über sein Herzensprojekt gesprochen. „Seerisch is meins, do bin I dahoam!“

 

Hallo lieber Alfred! Wir freuen uns, dass du dir Zeit nimmst um unsere Fragen zu beantworten! Wir möchten gleich starten mit der neuen Tour. Heuer gibt es eine große Jubiläumstour zum 20-jährigen Bestehen der Seer. Einige Stationen der Tour sind bereits auf Eurer Homepage veröffentlicht worden – mit welche Station dürfen die Fans noch rechnen? Was erwartet sie bei den Konzerten?

Ein musikalischer Rückblick über die „ersten“ 20 Jahre; spannend auch für uns einige Lieder der ersten Stunde neu zu  interpretieren und natürlich   Geschichten rund um den Werdegang der  Seer zu erzählen; das Publikum mitzunehmen auf eine Reise um dieses Jubiläum würdig und dankbar zu begehen. So zum Beispiel nehmen wir Bühne und alle Extras vom Heim- Open Air mit auf Tour im Rahmen einer „20 Jahre -20 Seer  Open Air Tournee“.
Ein besonderes Schmankerl ist, dass wir uns ab und zu musikalische Gäste einladen und diese Duette im Laufe des Jahres auch auf Tonträger verewigen werden.  Es wird eine aufwendige Show, aber, wie ich hoffe, auch sehr emotional und berührend.

Ihr könnt als „die Seer“ auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken: 1996 gegründet,  20 veröffentlichte Alben, 14 Platin Alben, Amadeus Austrian Music Award und unzählige Auftritte um nur einige Eckpfeiler der Bandgeschichte zu nennen. Gibt es einen Moment an den du dich besonders gerne zurück erinnerst?

Die Gründerzeit bleibt natürlich in Erinnerung, die ersten Auftritte, wo wir zwischen geduldet und belächelt unsere ersten Sporen verdient haben.
Immer war es auch das Publikums, das uns bewogen hat weiterzumachen. Da jeder von uns in diversen Genres schon musiziert hat, war uns bewusst, dass wir eine sehr spezielle Art von Musik gefunden haben, die unsere regionalen Wurzeln betont, aber auch Freiraum für viel Cross-Over lässt. Für mich persönlich muss es nicht die große Arena sein, ich mag es mindestens genauso gern, wenn ich die unmittelbare Reaktion eines Publikums, das uns Aug in Aug gegenübersitzt/steht, mitkriege. Wenn sich bei „Sche wars wennsd do warsd“ Menschen in die Arme nehmen, beim „Do geht no wos“ die Leute einfach nur guat drauf sind, auch wenn’s hie und da ein Tränlein gibt, bin ich als Musiker und Mensch einfach „angekommen“. Im Konzert gemeinsame Energie aufzubauen,  Lieder, die Teil des Lebens werden, ist das Größte, als Musiker zu erleben.

Gab es in den letzten 20 Jahren Rückschläge die dich an dem Projekt Seer zweifeln ließ und wenn ja, wie bist du mit diesen umgegangen? Was hat dich in deiner Arbeit gestärkt?

Rückschläge braucht es, um sich immer wieder bewusst zu machen, was man will und wie sehr man es will. Immer ist es auch die Kommunikation mit dem Publikum, wo sind die Berührungspunkte, was ist die Erwartungshaltung und was wollen wir vertreten, bis heute eine bleibende Herausforderung. Da ich in der Vergangenheit vieles stilistisch ausprobiert hatte, war mir bei allen Zweifeln und Widerständen immer klar: „Seerisch“ is meins , do bin I dahoam !

Ihr habt erst vor Kurzem den „Eurostar“ verliehen bekommen, Euer Album „Seer Weihnacht“ erhielt nach nur 4 Wochen Platin und Euer Seer open Air erreicht heuer mit dem Arena-Open Air eine neue Dimension! Wie geht man mit diesem Erfolg um? Ist ein Alfred Jaklitsch noch nervös wenn er vor 10.000 Menschen singt?

Grundsätzlich bin ich sehr froh, dass es das Leben so gut meint mit meinem Musikertraum der, seit meinem Abschied aus dem Lehrerberuf, mir, mit allen Höhen und Tiefen, erlaubt von der Musik zu leben. Gerade, weil es Zeiten gab wo nicht klar war, wie man über die Runden kommen wird, erlebt man vieles jetzt bewusster und dankbarer. Nervös im Sinne von Lampenfieber vielleicht weniger, aber dem Publikum einen besonderen Abend bieten zu wollen ist immer noch  Berufung und schönste Aufgabe.

Wer einmal eines Euer Konzerte besucht hat weiß wie hochwertig eure Konzerte sind: tolle Lichtshow, Mega-Stimmung, super Bühnenshow und herausragende Musiker! Wie wichtig ist dir der Zusammenhalt innerhalb der Band? Erarbeitet ihr gemeinsam die Shows oder gibt es unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Band?

Der Zusammenhalt der Musiker ist ein Lebenselixier für jede Band, denke ich, weil das Publikum intuitiv merkt, wo Rollen gespielt werden und wo Spaß an der Freud am Werk ist. Über 20 Jahre gelingt es uns mit Respekt und Auf-einander-zugehen die Freundschaften in der Gruppe lebendig zu erhalten, schließlich möchte man auch gemeinsam auf der Bühne eine gute Zeit haben. Die Arbeitsteilung ist seit vielen Jahren unverändert; ich schreibe und  texte, lade die „Seer“ ins Studio ein, wo jeder der Produktion seinen Stempel aufdrückt, bevor Sassy und Astrid mit ihren unverwechselbaren Stimmen, und auch dem Zusammenklang der Stimmen das liefern, was das Publikum als typisch „ seerisch“ empfindet.  Im Ganzen macht es das gesamte Team, dazu gehört Technik und Licht Crew genauso, wie unser Mangement Sonja und Gust Viertbauer, mit denen uns  eine schon mehr freundschaftliche als geschäftliche Beziehung verbindet .

Was hast du mit den Seern in Zukunft vor? Wo geht die Reise hin?

Es bleibt spannend für mich als Songwriter mich regelmäßig ein bisschen neu zu erfinden, thematisch und stilistisch Neues hinzuzufügen, auf und hinter der Bühne das „Seerische“ am Leben zu erhalten, es ist sicherlich eine Mission, ähnlich einer langen Zweierbeziehung. Wir werden uns Mühe geben, wir wissen, was wir an den „Seern“ haben und wenn das Publikum uns treu bleibt, da ist genug Motivation und Energie die Band weiter auf die Reise zu schicken, schließlich  gibt es noch weiße Flecken auf der „Seer-Landkarte“ und viele treue Seelen, mit denen man gemeinsame Konzertabende weiterhin verbringen möchte.

Wir danken dir für deine Zeit und bitten dich noch um ein paar abschließende Grußworte an die Leser von volksmusiknews.at! Danke Fred!

Liebe Leserinnen und Leser der Volksmusiknews !

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Nähere Infos zu den Seern und der Jubiläumstour gibt’s auf www.dieseer.at